Fairquatscht Folge 134: Wohin mit ausrangierten E-Auto-Batterien?

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In der aktuellen Folge von Fairquatscht spreche ich mit Lukas Brandl von The BLC, Batterieexperte und Spezialist für Second-Life- und Recyclingprozesse. Gemeinsam werfen wir einen Blick darauf, wie E-Auto-Batterien aufgebaut sind, wie lange sie halten, welche Mythen noch immer kursieren – und was eigentlich mit ihnen passiert, wenn sie am Ende ihrer Lebenszeit angekommen sind.

Woraus besteht eine E-Auto-Batterie überhaupt?

Eine Batterie im Elektroauto besteht aus vielen kleinen Speicher­einheiten, den Zellen. Sie sind der “Mini-Akku” innerhalb des großen Akkupakets und ähneln in ihrer Form oft der klassischen “Getränkedose”. Man unterscheidet heute drei gängige Zelltypen:

  • Zylindrische Zellen – die „Dosenform“, oft 4680-Format
  • Prismatische Zellen – quaderförmig wie ein Taschenbuch
  • Pouch-Zellen – flexible Zellen in einer Alu-Verpackung

Viele dieser Zellen werden zu Modulen verschaltet – und mehrere Module bilden am Ende die Batterie, die unter dem Fahrzeugboden sitzt. Ein solches Batteriepaket ist ungefähr so groß wie ein Küchentisch, wiegt 400–700 kg und enthält neben den Zellen auch eine Menge Elektronik, Sensorik und ein Batterie-Management-System (BMS) für Temperaturregelung, Sicherheit und Effizienz.

NMC vs. LFP – Welche Batteriechemie setzt sich durch?

Aktuell werden in den allermeisten E-Autos NMC-Batterien verbaut – sie bestehen aus Nickel, Mangan und Kobalt und bieten eine sehr hohe Energiedichte. Heißt: viel Reichweite bei wenig Platz.

Immer stärker kommen jedoch LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat) auf den Markt. Sie sind:

  • günstiger in der Herstellung
  • weniger brandanfällig
  • robuster und langlebiger

Dafür benötigen sie mehr Raum pro gespeicherter Kilowattstunde.

Mythos: E-Auto-Batterien brennen ständig

Einer der größten Mythen rund um Elektroautos: Sie würden schnell brennen oder gar “explodieren”.
Das Gegenteil ist der Fall.

Studien – etwa vom ADAC und aus Batterie-Podcasts wie Geladen – zeigen, dass:

🔹 E-Autos bis zu 20-mal seltener brennen als Verbrenner.

Hinzu kommt: Auch Verbrenner haben potenziell gefährliche Energieträger an Bord – oftmals über 50–70 Liter Benzin. Trotzdem äußern wir darüber kaum Sorge.

Warum verlieren Batterien eigentlich Kapazität?

Wie bei jedem Akku gibt es eine natürliche Alterung. Die Kapazität verringert sich über die Jahre – aber viel langsamer, als viele denken. Während Smartphone-Akkus oft nach 2–3 Jahren spürbar schlechter werden, gelten für E-Auto-Batterien:

  • Lebensdauer: ca. 250.000 km oder mehr
  • Herstellergarantien: 8 Jahre auf mind. 70 % Kapazität

In der Praxis sind die Werte oft deutlich besser. Viele Fahrer:innen berichten nach über 100.000 km kaum spürbare Verschlechterungen.

Wann gilt eine E-Auto-Batterie als “am Ende”?

Technisch gesehen könnte man viele Batterien noch sehr lange nutzen. Die Frage ist eher: Wann wird die Reichweite für den Fahrer unpraktisch?

Typischerweise spricht man davon, dass eine Batterie ab 70–80 % Restkapazität als aus dem Fahrzeug „ausgeschieden“ gilt. Aber genau dann beginnt der spannende Teil:

Second Life: Was passiert mit einer alten E-Auto-Batterie?

Und hier kommt die Firma von Lukas ins Spiel.

Sie schaut sich jede ausrangierte Fahrzeugbatterie genau an. Das Ziel:

🔁 Wiederverwenden statt direkt recyceln

Wenn möglich:

  • einzelne Module austauschen
  • Elektronik reparieren
  • Komponenten als Ersatzteile gewinnen

Oder – besonders spannend – aus den alten Batterien stationäre Speicher bauen:

⚡ Second-Life-Batteriespeicher für Solarstrom oder Netzstabilisierung

Dabei ist die geringere Restkapazität kein Problem, weil stationäre Speicher genügend Platz bieten. Fehlen ein paar Prozent Leistung, nimmt man einfach mehr Module.

Warum ist Reparatur heute noch so kompliziert?

Kurz: Es gibt zu viele verschiedene Batterietypen.

Allein von einem Hersteller hat Lukas’ Team bereits:

👉 über 150 verschiedene Batterievarianten dokumentiert.

Viele unterscheiden sich alle paar Monate – durch neue Zelltypen, geänderte Elektronik oder andere Modulzahlen. Dazu kommen Designentscheidungen, die Reparaturen erschweren, etwa:

  • Cell-to-Pack-Designs, bei denen Zellen verklebt statt verschraubt sind
  • fehlende modulare Bauweise
  • fehlende standardisierte Schnittstellen

Das macht es schwer, effizient und zerstörungsfrei zu demontieren.

Warum werden aus alten Batterien keine neuen Batterien gebaut?

Aktuell ist es technisch nicht möglich, eine alte Batterie einfach „aufzufrischen“. Man kann einzelne Module tauschen – aber keine ganze Batterie regenerieren.

Beim Recycling werden deshalb die Materialien getrennt, aufbereitet und in die Produktion neuer Zellen zurückgeführt.

Wichtig:

♻️ Metalle wie Lithium, Nickel oder Kobalt sind nahezu vollständig wiederverwertbar.

Eine Studie der RWTH Aachen zeigt:

  • bis 2035: 30 % der Rohstoffe in neuen Batterien könnten aus Recycling stammen
  • bis 2040: bis zu 60 %

Lukas bestätigt: Technisch ist das möglich – entscheidend ist, dass wir genug Altmaterial im Kreislauf haben und ausreichend Recyclingkapazitäten aufbauen.

Fazit

E-Auto-Batterien sind viel sicherer, langlebiger und nachhaltiger, als oft behauptet wird. Gleichzeitig entsteht gerade eine neue Industrie rund um:

  • Reparatur
  • Wiederverwendung
  • nachhaltiges Recycling

Die kommenden Jahre werden entscheiden, ob es gelingt, große Teile der Rohstoffe im Kreislauf zu halten und damit Elektromobilität wirklich klimafreundlich zu machen.

Die gesamte Folge Fairquatscht mit Lukas Brandl hört ihr hier:

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