Folge 137: Lobbyismus fürs Klima

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Lobbyismus hat ein Imageproblem. Für viele ist das Wort untrennbar verbunden mit Konzerninteressen, Hinterzimmerdeals und fossiler Industrie. In der neuen Folge von Fairquatscht sprechen wir genau darüber – und lernen, warum Lobbyismus auch ganz anders aussehen kann.

Mein Gast ist Johnny Stengel, Klima-Lobbyist, Netzwerker und Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Im Gespräch erklärt er, warum er den negativ besetzten Begriff „Lobbyist“ ganz bewusst für seine Arbeit nutzt – und wie gemeinwohlorientierte Interessenvertretung funktionieren kann.

„Listen to the Science“ – aber bitte übersetzt

Johnny beschreibt seine Rolle vor allem als eine des Übersetzens: Zwischen 500-seitigen wissenschaftlichen Reports auf der einen Seite und politischen Entscheidungsprozessen auf der anderen klafft oft eine riesige Lücke. Politiker:innen haben weder Zeit noch Kapazitäten, sich durch jedes Detail zu arbeiten – und genau hier setzt seine Arbeit an.

Er bringt relevante Stimmen aus Wissenschaft, NGOs und Praxis gezielt mit Entscheidungsträger:innen zusammen, bereitet komplexe Inhalte verständlich auf und sorgt dafür, dass sie zur richtigen Zeit bei den richtigen Menschen landen. Nicht mit versteckter Agenda, sondern mit Transparenz und Vertrauen als Grundlage.

Netzwerke statt Einzelkämpfermentalität

Ein zentrales Thema der Folge: Lobbyarbeit ist kein Solo-Projekt. Johnny versteht seine Arbeit explizit als kollektiven Prozess. Über Jahre hat er ein ehrenamtliches, sektorübergreifendes Netzwerk aufgebaut – von Klima- und Biodiversitätsforschung über Gewerkschaften bis hin zu Sicherheits- und Wirtschaftsexpert:innen.

Gerade dort, wo sich politische Silos berühren, entsteht oft die größte Wirkung. Ob es um erneuerbare Energien, Sicherheitsfragen bei Solartechnik oder soziale Kipppunkte geht: Entscheidend ist, die richtigen Perspektiven zusammenzubringen – und auch mal anderen den Vortritt zu lassen, wenn sie mehr Gehör finden.

Vom Aktivismus zur politischen Wirksamkeit

Im Gespräch erzählt Johnny, wie niedrig die Einstiegshürde in politisches Engagement eigentlich sein kann: Abgeordnete anschreiben, Bürgersprechstunden nutzen, Fragen stellen. Sein eigener Weg führte ihn über die Gründung von GermanZero Hamburg, intensive Netzwerkarbeit und jahrelange Präsenz auf politischen Veranstaltungen bis hinein in entscheidende Räume der EU-Politik.

Besonders spannend: Seine Arbeit ist unabhängig finanziert – über Stipendien und eine gemeinnützige Struktur. Dadurch kann er frei priorisieren und sich an einem zentralen Kriterium orientieren: Impact. Welche politischen Entscheidungen haben das größte Potenzial, Emissionen zu senken, soziale Gerechtigkeit zu stärken und irreversible Schäden zu verhindern?

EU-Politik, Kipppunkte und die Macht der Details

Ein großer Teil der Folge dreht sich um europäische Klimapolitik. Johnny macht deutlich, wie viel Macht in scheinbar technischen Details steckt – und wie schnell progressive Errungenschaften wie der Green Deal, das Lieferkettengesetz oder Umweltverordnungen wieder ausgehöhlt werden können, oft fernab öffentlicher Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig teilt er sehr konkrete Erfolgsmomente: Situationen, in denen sein Input politische Entscheidungen messbar beeinflusst hat – sei es in Parteiprogrammen, bei Sondervermögen für Klima und Infrastruktur oder im direkten Austausch mit EU-Kommissar:innen. Besonders das Thema Kipppunkt-Governance sieht er als stark unterschätzt, aber politisch hochrelevant.

Hoffnung trotz Gegenwind

Trotz massiver fossiler und industrieller Lobbyinteressen bleibt Johnny optimistisch. Ja, die Gegenseite hat mehr Geld und mehr Ressourcen. Aber: Glaubwürdigkeit, lokale Verankerung und echte Gemeinwohlorientierung schaffen einen eigenen Hebel. Politik ist auf Wissen von außen angewiesen – und wer langfristig Beziehungen aufbaut, kann auch ohne Konzernbudget viel bewegen.

Zum Abschluss nimmt er uns mit zur Weltklimakonferenz in Belém und beschreibt, warum das „Drumherum“ solcher Gipfel mindestens genauso wichtig ist wie die offiziellen Verhandlungen: Begegnungen, neue Allianzen, Narrative – und das Gefühl, dass Veränderung möglich ist.

🎧 Die komplette Folge von Fairquatscht mit Johnny Stengel hört ihr überall, wo es Podcasts gibt.
Eine Folge über Macht, Verantwortung und darüber, wie politische Prozesse tatsächlich beeinflusst werden – jenseits von Klischees.

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